Begleitung  -  und dann kam COVID – 19

 

Meine Begleitung bei Herrn X. begann Anfang Oktober 2019.

 

Unsere Koordinatorin hatte mich gefragt, ob ich Zeit hätte, einen jungen Mann von 49 Jahren im Pflegeheim zu begleiten.

 

Er hatte Krebs im Endstadium, wurde bereits im Pflegeheim zusätzlich palliativ versorgt und er hatte sein „OK“ für eine hospizliche Begleitung gegeben.

 

Am nächsten Tag meldete ich mich bei Herrn X. an. Vor dem 1. Besuch ging mir vieles durch den Kopf, ein Mensch in dem Alter im Pflegeheim, und unter anderem - wie es ihm wohl geht und wie wir wohl mit einander klarkommen??

 

Dann war es soweit, ich stellte mich Herrn X. vor und fragte ihn, ob es ihm auch recht sei, von mir Besuch zu bekommen?

 

Herr X. war sehr klar in den Dingen die er wollte, das machte es mir leicht.

 

Er wollte gern 1 x die Woche von 11 – 12 Uhr Besuch bekommen. Nachmittags bekam er oft von seinen Schwestern oder Freunden Besuch. Sein Bruder kam jeden Abend nach der Arbeit, das war ihm sehr wichtig. Auch das seine Schwestern ihn regelmäßig besuchten und die Familie jetzt so gut zusammenhielt, war für ihn eine große Unterstützung.

 

Er erzählte mir von seinem Krankheitsverlauf, die Krebsdiagnose hatte er damals im März 2018 bekommen. Daraufhin wurde er in einer Fachklinik behandelt und anfangs lief auch alles gut. Dann gabs einen Rückfall und es ging ihm zunehmend schlechter. Da ihm das Laufen immer schwerer fiel, war er auch mehr und mehr auf Hilfe angewiesen.

 

Im Juli 2019 entschied er sich ins Pflegeheim zu gehen, er konnte keine Treppen mehr steigen, und in der Landwirtschaft, konnte er auch schon länger nicht mehr arbeiten.

 

Bei meinem 1. Besuch sagte Herr X., wir sollten uns man duzen, er würde alle Menschen duzen und fände das am unkompliziertesten.

 

Ende Oktober hatte er seinen 50.Geburtstag und nicht damit gerechnet, dass er den noch erlebt – X. war fast verwundert, dass er es bis dahin geschafft hatte.

 

Dann kam Weihnachten, Silvester und Neujahr, der runde Geburtstag von seiner Mutter. Mit Hilfe in den Rollstuhl und mal eine kleine Runde spazieren fahren, traute er sich nicht mehr zu. Die kleinste Anstrengung, der geringste Stress, verursachte schon Luftnot bei ihm. Lesen strengte an, die Augen waren zu trocken, selbst das Essen fiel ihm schwer, vor allem wenn es zu trocken, oder krümelig war.

 

Das bewunderte ich an ihm, trotz der Beschwerden und seiner Situation, war er sehr bescheiden und direkt zufrieden, er fühlte sich gut versorgt und „meckerte“ nicht rum. Wenn es ihm schlecht ging, sagte er es.

 

Ab und an bekam er auch mal nachts Besuch, erzählte er mir mit einem Augenzwinkern. Die demente Dame von nebenan, ging durch sein Zimmer und setzte sich auch mal in seinen Sessel. Aber selbst das regte ihn nicht sonderlich auf.

 

Die Luftnot und andere körperliche Beschwerden piesackten ihn immer mehr und er bekam palliativ eine Schmerzpumpe zur Entlastung. Die half ihm sehr, aber er fühlte sich auch matter und schlief viel.

 

Ende Februar, Anfang März 2020 rückte die Corona Pandemie immer näher und Mitte März war es dann soweit: ich wollte es erst nicht wahrhaben,

 

alle Pflegeheime wurden für Besucher, Angehörige und Begleiter geschlossen!

 

Die Gefahr, den COVID – 19 Virus zu den Menschen ins Pflegeheim einzuschleppen, war einfach zu groß und lebensbedrohlich.

 

Das war ein Schlag, wir verabschiedeten uns am Telefon und wussten, das ist das letzte Mal, dass wir mit einander sprechen. Da X. immer schwächer wurde, sah ich von weiteren Telefonaten ab.

 

Ende März hatte er es geschafft.

 

Es war eine Beruhigung für mich zu wissen, dass die engsten Angehörigen, vor allem sein Bruder, unter strengsten Schutzmaßnahmen noch zu ihm durften.

 


Ambulante Kinderbegleitungen

 

Die meisten Familien, in denen ein Kind, Jugendlicher oder junger Erwachsener lebensverkürzt erkrankt ist, 

wünschen sich, dass ihr Kind zu Hause bleiben kann.

In dieser belastenden Zeit braucht es Menschen, die offen sind, zuhören, mitgehen und aushalten.

Unsere qualifizierten ehrenamtlichen Kinderbegleiterinnen gehen in die Familien. Sie sind für das erkrankte Kind,

die Geschwister und die Eltern da. Sie schenken den Familien Zeit und unterstützen sie.

Die Coronakrise hat es notwendig gemacht, dass sich unsere Ehrenamtlichen aus der persönlichen

Begleitung zurückziehen mussten, auch Angebote für Geschwisterkinder können nicht stattfinden.

Das ist für die Familien genauso schwer wie für unsere Ehrenamtlichen.

Leider ist es uns zur Zeit auch nicht möglich, neue Begleitungen anzunehmen, da wir nicht in die Familien können.

Wir alle können Überträger des Coronaviruns sein, auch wenn wir keine Symptome haben.

Grundsätzlich besteht für die Kinder / Jugendlichen die wir begleiten ein höheres Risiko zu erkranken,

da ihr Immunsystem aufgrund der zugrundeliegenden Erkrankung geschwächt ist.

Wir stehen aber in ständigem Kontakt mit dem ambulanten Kinderhospizdienst Löwenherz, 

der uns  die Begleitungen vermittelt  hat.

Kontaktieren Sie uns trotzdem gerne

 


Wenn etwas nicht mehr möglich ist,                                                                                                                    06.05.2020

verändere es, dass es anders möglich ist.

 

Das Virus macht auch an unserer Tür nicht halt.

 

Unsere Angebote wie das Trauercafe und der Trauertreff für Männer sowie unsere Ehrenamtsabende mussten wir alle schweren Herzens absagen.

Wir sind alle in dieser noch nie dagewesenen Situation auf uns zurückgestellt.

Umso mehr trifft es Menschen, die z.B. mit einer schweren Erkrankung leben oder in einer 

Trauersituation sind.

Dies bringt uns alle in Grenzsituationen.

Wir wissen nicht, wie lange diese Einschränkungen noch gelten.

Doch wir wissen, dass wir weiterhin für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen, da sein werden,

vielleicht anders als bisher.

Sprechen oder rufen Sie uns trotzdem gern an, wir sind offen für Ihre Sorgen, Befürchtungen und 

Nöte - zögern Sie nicht!

 


Wie hat sich das Leben seit Anfang März 2020 für uns verändert.

 

Wir haben wohl nicht damit gerechnet, dass die Pandemie unser persönliches und gesellschaftliches Leben

so einschränkend beeinflusst - weltweit.

 

Aufgrund der aktuellen Gefährdungssituation durch das Corona- Virus können wir Anfragen für eine 

ambulante Hospizbegleitung momentan nicht zuverlässig vermitteln.

Wir versuchen jedoch unser Möglichstes und nehmen nach wie vor alle Anfragen entgegen,

wir stehen für Gespräche am Telefon jederzeit zur Verfügung.

Wir bieten Hilfe für Menschen die mit Sterben, Tod und Trauer konfrontiert sind.

Wegen Corona ist der persönliche Kontakt zu unseren Begleitungen, die in den Pflegeheimen leben,

komplett abgebrochen - das ist auch für uns schwer auszuhalten.

Wir können den Kontakt nur telefonisch aufrecht erhalten ( wenn möglich) , die Besuche fallen weg.

 

Anfragen zu akuten Sterbebegleitungen versuchen wir nachzukommen ,selbstverständlich unter 

Einhaltung aller hygienischen Maßnahmen.

 

Melden Sie sich gerne bei uns.