Das rosa Tütchen

 

 Vor einiger Zeit saß ich traurig im Park auf einer Bank. Ich dachte über vieles nach, was in meinem Leben schief läuft, als sich ein fröhliches

Mädchen zu mir setzte.
Es fragte: „Warum bist Du so traurig?“
„Ach“ sagte ich, „ich habe keine Freude am Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“
„Hmmmm“ meinte das Mädchen, „wo hast Du denn Dein rosa Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte da mal reinschauen.“
„Was für ein rosa Tütchen?“ fragte ich verwundert.
„Ich habe nur ein schwarzes Tütchen.“ Wortlos reichte ich es ihm.
Vorsichtig öffnete es mit seinen zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein. Ich bemerkte, wie es erschrak „Es ist voller Alpträume, voller Unglück und voller schlimmer Erlebnisse!“
„Was soll ich machen? Es ist halt so. Daran kann man nichts ändern.“
„Hier nimm!“ meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. „Sieh hinein!“
Ich öffnete das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. „Wo ist Dein schwarzes Tütchen?“ fragte ich neugierig.
„Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter darum.“ sagte es.
Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen voll zu bekommen. Da stopfe ich so viel wie möglich hinein. Und immer, wenn ich Lust dazu habe oder ich beginne, traurig zu werden, dann öffne ich mein rosa Tütchen und schaue hinein. Dann gehts mir sofort besser.
Wenn ich mal alt bin, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen, ja, ich hatte ein schönes Leben.“
Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab es mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden.
Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen.
Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen erhalten hatte.
Mein schwarzes Tütchen warf ich in den nächsten Papierkorb.

 

Gute Nacht Deutschland

 

 

Um Mitternacht,  ich liege wach. Und denke über vieles nach.

Als erstes kommt mir in den Sinn, dass ich extrem geborgen

und frei von Sorgen bin.

Obwohl es Nacht und wirklich spät - das Licht es brennt, die Heizung geht.

Das Wasser läuft, das Dach ist dicht- der Regen draußen stört mich nicht.

Das Haus ist ruhig, die Kinder auch - nicht eines krank, kein Hungerbauch.

Sind alle fit ,  satt und gesund, sie schlafen tief, für Angst kein Grund.

Das ist ein Glück. Das größte schier; wir leben jetzt, wir leben hier.

Nur 100 Jahre früher,  evtl. auch später, was taten-täten- Mütter, Väter

um sich so ganz bewusst zu sein: wir hattens gut, wir hatten Schwein!

Nur 1000 km - die Richtung fast egal - da leiden Menschen größte Qual.

Da herrscht Verzweiflung, Angst und Not - da stirbt die Hoffnung, siegt der Tod.

Da fragt sich Mensch: Warum? Warum nur wir? Warum herrscht Krieg und Seuche hier?

Warum ist Leben hier so schwer? Es geht  mir schlecht, ich kann nicht mehr.

 

Um Mitternacht, ich liege wach. Und denke über vieles nach.

Als zweites kommt mir in den Sinn, dass ich ziemlich sicher und auch dankbar bin.

All denen, die auch  nachts noch tun was nötig ist, sie tun es nun.

Ich liege hier und schreibe bloß dieses Gedicht- wie ahnungslos.

Ich weiß genau: ich weiß es nicht. Wie es ist, wenn man zusammenbricht.

Unter der Last, dem Druck, dem Stress, der einen nicht mehr ruhen lässt.

Was für ein Glück! Das größte hier. Die Menschen die stets dir und mir

zur Seite stehen und dafür sorgen: das Licht,es brennt auch noch am Morgen,

das Wasser läuft, die Heizung geht. Egal wie kalt, egal wie spät.

Wir sind versorgt und werden satt. Und wenn es jemand nötig hat,

dann sind sie da- ob Tag , ob Nacht, verarzten uns und halten Wacht.

Sie hegen, pflegen und versorgen, und bleiben meist dabei verborgen.

Sie schützen uns zu jeder Zeit, tun ihren Dienst und sind bereit.

Ob es hier raucht, knallt oder brennt, wenn man am liebsten nur wegrennt;

Dann tun sie nicht nur ihre Pflicht- Nein!  Das ist mehr, das trifft es nicht.

 

Um Mitternacht, ich liege wach. Und dachte kurz darüber nach.

Lasst uns demütig und dankbar sein- im besten Sinne menschlich sein.

Mehr fällt mir dazu jetzt nicht ein.

Außer doch- das Eine noch!

Es gibt tatsächlich Menschen hier, die kloppen sich um Klopapier!

Gute Nacht Deutschland.Schlaft gut. Die Welt schaut zu.

 

Thorsten Stelzner


Fahrt des Lebens

Das Leben ist wie eine Zugfahrt,mit all den Haltestellen, Umwegen und Unglücken. Wir steigen ein, treffen unsere Eltern und denken, dass sie immer mit uns reisen, aber an irgendeiner Haltestelle werden sie aussteigen und wir müssen unssere Reise ohne sie fortsetzen und das akzeptieren.

 

Doch es werden viele neue Passagiere in den Zug steigen, Freunde, Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen, Geliebte oder Partner oder sogar die Liebe unseres Lebens. Viele werden aussteigen und eine große Leere hinterlassen. Bei anderen werden wir garnicht merken, dass sie ausgestiegen sind. Es ist eine Reise voller Freuden, Leid, Begrüßungen und Abschied. Wenn wir "nein" zu dem Kommen und Gehen sagen, wenn wir nicht akzeptieren, dass andere ihren eigenen Weg gehen - auch und insbesondere unsere Kinder - erzeugen wir in uns Leid und machen auch den Anderen das Leben schwer und erzeugen Schuldgefühle.

 

Das Wichtigste ist, dass wir die Anwesenheit JEDES Menschen in unserem Lebenszug als Geschenk und als wertvoll für uns ansehen, auch wenn die Zugfahrt mit ihm oder mit ihr nicht immer angenehm ist oder war. Jeder Mensch in unserem Zug ist wertvoll und seine Präsenz hat ihren Sinn. Darum danke innerlich jedem Zuggefährten für die Zeit, die er mit dir teilt und behandle jeden mit Respekt, Freundlichkeit und Liebe.

 

Das große Rätsel ist: Wir wissen nie, an welcher Haltestelle WIR selbst aussteigen müsssen. Deshalb lasst uns leben , lieben, verzeihen und immer das Beste geben! Denn wenn der Moment gekommen ist, wo wir aussteigen müssen und unser Platz leer ist, sollen nur schöne Gedanken an uns bleiben und für immer im Zug des Lebens reisen!!!

Ich wünsche dir, dass deine Reise jeden Tag schöner wird, du immer Liebe, Freude, Vertrauen , Geduld und Zeit für die wesentlichen Dinge des Lebens im Gepäck hast.

 

Vielen Dank, an all euch Passagiere im Zug meines Lebens!                                                    (Robert Betz)

 

 

 


Der richtige Moment

Mein Freund öffnete eine Schublade der Kommode seiner Frau und holte daraus ein kleines Päckchen hervor, das in Seide eingewickelt war.  "Dies ist nicht einfach ein Päckchen - darin ist feine Wäsche."

Er betrachtete die Seide und die feine Spitze.

"Ich habe ihr das vor acht oder neun Jahren in New York gekauft, aber sie hat es nie getragen.Sie wollte es aufbewahren ......für eine besondere Gelegenheit. Nun ja, ich glaube, jetzt ist der richtige Moment gekommen."

Er ging zum Bett und legte das Päckchen zu den anderen Sachen, die der Bestatter mitnehmen würde.

Seine Frau war verstorben.

Dann drehte er sich zu mir und sagte leise: "Hebe niemals etwas für einen besonderen Anlass auf, jeder Tag den du lebst ist besonders."

Ich denke oft an die Worte meines Freundes - sie haben mein Leben verändert. 

Heute lese ich viel mehr als früher und putze weniger. Ich setze mich auf meine Terrasse und genieße den Blick in die Natur, ohne mich am Unkraut im Garten zu stören. Ich verbringe mehr Zeit mit meiner Familie und Freunden und arbeite weniger.

Ich habe verstanden, dass das Leben aus einer Sammlung an Erfahrungen besteht, die man zu schätzen wissen sollte.

Und ich schone nichts.

Ich benutze die guten Kristallgläser jeden Tag und trage meine neue Jacke beim Einkaufen im Supermarkt, wenn mir danach ist .

Ich hebe mein bestes Parfüm nicht mehr für Festtage auf, ich trage es, wenn ich Lust darauf habe.

Worte wie "irgendwann " und " eines Tages" wurden aus meinem Vokabular verbannt. Wann immer es möglich ist, will ich gleich sehen, hören und tun, was mir in den Sinn kommt. 

Ich weiß nicht , was die Frau meines Freundes getan hätte, wenn  sie gewußt hätte, das es ein Morgen für sie nicht mehr geben würde - ein Morgen, das uns meist viel zu sehr egal ist.  Ich denke, sie hätte vielleicht ihre Familie und Freunde angerufen. Vielleicht hätte sie sich für einen Streit entschuldigt, der lange her war. Ich stelle mir gern vor, dass sie in ihrem Lieblingsrestaurant essen gegangen wäre.

Ich wäre traurig über die vielen kleinen Dinge, die ich nicht getan hätte- für die ich mir "irgendwann" eben Zeit nehmen wollte.

Ich wäre wohl traurig, dass ich Briefe nicht mehr geschrieben habe, die ich lange schon schreiben wollte. 

Freunde nicht getroffen, die ich lange Zeit nicht gesehen habe.

....meinen Lieben nicht oft genug gesagt habe, dass ich sie liebe.

Inzwischen verschiebe ich nichts mehr, bewahre nichts für eine besondere Gelegenheit auf, was ein Lächeln in mein Leben bringen könnte.  

Ich weiß, dass jeder Tag ein besonderer Tag ist.

Jeder Tag,

jede Stunde,

jede Minute ist besonders.     

 

 

 


Als ich auf diese Welt kam, war alles, was ich tat, zu lieben, zu lachen und mein Licht hell leuchten zu lassen.

 

Aber als ich heranwuchs, sagte man mir, ich solle nicht lachen."Du mußt die Dinge ernst nehmen", sagten sie, "wenn du im Leben vorankommen willst."    - Also hörte ich auf zu lachen-

 

Sie sagten." Pass gut auf, wen du liebst, sonst bricht dir jemand das Herz." - Also hörte ich auf zu lieben-

 

Sie sagten: " Lass dein Licht nicht so hell strahlen, du ziehst zuviel Aufmerksamkeit auf dich." - Also hörte ich auf zu strahlen-

 

Und wurde klein. Und verkümmerte . Und starb.

 

NUR UM IM TOD ZU LERNEN,DAS ALLES,WAS IM LEBEN ZÄHLT, DAS LEBEN; DAS LACHEN UND DAS STRAHLEN SIND.

 

 

 


Trauercafe

 Trauer beginnt mit dem Bewusstsein , Abschied nehmen zu müssen. Trauer kann schon vor dem Tod beginnen.

Trauer gehört zum Leben. Trauer, die keine Gestaltungsmöglichkeiten und keine Resonanz findet, kann krank machen.

Mehr und mehr Menschen müssen zur Zeit allein damit klar kommen.

Die Corona-Pandemie erschwert persönliche Gespräche. Besonders Trauernde leiden jetzt verstärkt unter Einsamkeit. Allein gelassen mit ihren Gefühlen müssen Sie den Verlust eines Menschen, der ihnen nahegestanden hat, fertig werden. Die reduzierten Kontakte und der fehlende Austausch mit Freunden und Bekannten sind für sie eine zusätzlilche Belastung.

Vielen Trauernden fehlt die Unterstützung von außen: ein persönliches Gespräch, eine liebevolle Umarmung oder ein wärmender Händedruck.

Wie gut täte da ein Gespräch mit anderen Betroffenen oder mit den ehrenamtlichen Begleitern des Ambulanten Hospizdienstes.

Leider lässt die Corona-Hygieneverordnung für uns zur Zeit aber noch keine Treffen des normalerweise regelmässig stattfindenden Trauercafes zu.

Wir bieten aber allen Trauernden an, sich mit einer oder einem Ehrenamtlichen z.B. zu einem Spaziergang zu verabreden.

An der frischen Luft und in Bewegung kann ein intensiver Austausch entstehen.

2020, das "Corona-Jahr" hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind aber auch wie wir zusammen halten.

Wenn etwas nicht mehr möglich ist verändere es so, dass es anders möglich ist.

 

 

 


Die trauer ist ein unerwarteter Gast

Eines schönen Tages klopft sie an deine Tür und fragt nicht erst, ob sie hereinkommen darf, sondern sie setzt sich mitten in dein Wohnzimmer und macht es sich bequem und gemütlich.

Am Anfang denkt man sich  "nun gut, irgendwo muss sie ja sein" und bleibt gastfreundlich. Dann kommt der Punkt wo man sich denkt "nun könnte sie aber langsam wieder gehen" und versucht, mit allerlei diplomatischen und weniger diplomatischen Mitteln sie dazu zu bringen, aufzustehen und sich zu verabschieden, weil man gerne mal wieder für sich sein möchte.

Aber nein, da hockt sie, stumm und unversöhnlich und bewegt sich nicht vom Fleck  . Man versucht sie rauszuwefen, rauszuekeln - aber sie sitzt da einfach .

Jeden Tag versucht man es wieder, doch wie ein nasser Sack Zement thront sie auf deinem Sofa und schaut dir die ganze Zeit über die Schulter. Du fühlst dich beobachtet und unwohl - aber sie sitzt einfach da.

Und schweigt.

Und wartet.

Und weiß nicht mal worauf, geschweige denn wie lang.

Und noch ein Tag und noch ein Versuch, sie zum Gehen zu bewegen.

Herrgott, in unserer modernen Welt muss es doch möglich sein, der Herr der Lage zu werden!

Aber nein, dieses Ding hockt da wie eine Spinne im Netzt und wartet.

Ok, raus will sie nicht.

In deinem Wohnzimmer ist zu wenig Platz.

Also fängst du an, dich an sie zu gewöhnen.

Stellst den Tisch ein bisschen weiter da und den Stuhl ein bisschen weiter fort-

und nun sitzt sie zwar immer noch da, aber nicht mehr in der Mitte.

AHA - denkst du dir!

Ich kann sie nicht zum gehen bewegen - aber ich kann mich um sie herum bewegen.

Ein bisschen Möbel umstellen, ein bisschen Perspektive wechseln und schon sieht sie nicht mehr so bedrohlich aus.

Tatsächlich kannst du sogar um sie herum gehen und sie von hinten anschauen - unspektakulär...

Weitere Tage vergehen und sie setzt schon ein bisschen Staub an, bis sie sich  plötzlich wieder mal schüttelt, eine Trauer-Staubwolke aufsteigt und dich einhüllt.

Du stellst den Tisch noch ein bisschen mehr dort und den Stuhl noch ein bisschen mehr da - und auf einmal ist sie nur noch der Rand deines Wohnzimmers und nicht mehr das Zentrum.

Aber sie sitzt immer noch da.

Manchmal wirft sie dir einen vorwurfsvollen Blick zu und du fühlst dich versucht, sie wieder in die Mitte auszurichten.

Manchmal schüttelt sie sich und hüllt dich in eine Staubwolke....

Aber irgendwann ist sie so eins geworden mit deinem Wohnzimmer, dass du sie nicht mal mehr siehst, außer wenn sie sich gerade schüttelt.

Und so hast du aus der Not eine Tugend gemacht und dank dem ungebetenen Gast, der nicht mehr gehen wollte, eine ganz neue Perspektive in dein Leben gebracht.

Und würde man nun die Trauer aus deinem Wohnzimmer entfernen- so würde ein hässlicher, kahler Fleck bleiben,weil da auf einmal etwas fehlt.

Und manchmal stellst du sie wieder in die Mitte, weil ein besonderer Tag ist, weil du sie heute brauchst, weil es das an diesem Tag eben braucht.

 

Wenn oben nicht mehr oben ist,

die Mitte nach außen gerückt,

wenn gute Wünsche wie eine Farce

und ein Sonnenuntergang wie Nebel wirkt -

dann wünsche ich dir Menschen,

die wie ein Ring um dich sind,

damit du nicht fällst.

 

 

 


Timba, ein Hund in der Hospizarbeit

 

Liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Tanja Kruse- Röhsler und im Juli 2020 beendete ich meinen Kurs zur ambulanten Hospizbegleiterin. Beim Einsegnungsgottesdienst dabei- mein Hund Timba, ein 6jähriger Australian Shepherd- Rüde. Er war schließlich der Grund, warum ich den Hospizkurs absolvierte.

Nun wurde ich gebeten, ein wenig über Timba zu erzählen...

Von Beruf bin ich Atem , - Sprech - und Stimmlehrerin und leite in Sulingen eine Praxis "'TheraLogo" . Dort kommen seit 2008 Begleithunde zum Einsatz. Sie helfen Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen Zutrauen in ihre eigenen sprachlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Durch die Anwesenheit des Hundes und die Arbeit mit ihm werden die Kinder zum sprechen angeregt, die Motivation, Lern- und Leistungsbereitschaft sowie Ausdauer - und Konzentrationsfähigkeit erhöht; die Kinder fühlen sich angenommen und werden in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt.

Die Ausbildung zum Therapiebegleithund- Team erhielt ich mit meiner Hündin Bonnie am MITTT (Münsteraner Institut für therapeutische Fortbildung und tiergestützte Therapie) in Rheine. Als sie sechs Jahre alt war, kam Timba dazu. Sie arbeiteten 3 Jahre Seite an Seite, bis Bonnie in ihren wohlverdienten Ruhestand wechselte.

Durch die Ausbildung wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, Hunde auch in der Hospizbegleitung einzusetzen. Lange ruhte der Gedanke, wurde dann aber wieder in mir wach und ich begann mich , mit dieser weiteren Option des tiergestützten Einsatzes zu beschäftigen. Vor allen Dingen eine Erfahrung in der Arbeit mit dem Hund schien mir so wertvoll, dass ich sie gerne auch den alten und sterbenden Menschen zuteil werden lassen wollte:

Der Hund begegnet dem Menschen wertfrei und nimmt ihn so an wie er ist. Ohne Beurteilung und Bewertung .Dieses bedingungslose Annehmen macht das Zusammensein und die Arbeit mit einem Hund so bereichernd.

Mit Fröhlichkeit geht Timba auf den Menschen zu. Die Reaktion auf seine schwanzwedelnde Begrüßung und seinen offenen Blick ist ein Lächeln und ein Strahlen im Gesicht. Gerne spricht man den Hund an, gibt ihm ein Leckerli und erfreut sich an manchem Kunststück, das Timba zum Besten gibt. Die Begegnung mit ihm löst bei den Menschen Wohlbefinden und Freude aus. Diese Momente sind kostbar und wirken lange nach. Ein Besuch im Heim ist zwar für Timba und mich anstrengend, aber auch erfüllend, wenn ich die Bewohner so offen und zugewandt dem Hund gegenüber erlebe. Und Timba genießt die Streicheleinheiten.

In der Begegnung mit Timba ist das zu beobachten, was ein unbekannter Verfasser so treffend zu beschreiben wusste:

" Ein Hund ist ein Herz auf vier Pfoten".

 

 

 


             Ich werde nicht mit dir hinübergehen, aber ich begleite Dich an die Grenze.

           Ich werde den Schmerz nicht von dir nehmen, aber ich werde mit Dir fühlen.

         Ich werde die Angst nicht wegmachen, aber ich stehe mit Dir im Feuer.

Ich werde nicht verneinen was ist, aber ich reiche Dir die Hand auf der Suche

                                               nach dem Warum und dem Ja.

           Ich werde Dir keine Ratschläge geben, aber ich werde Dich hören.

                                             Ich werde mich nicht aufgeben.

                                Ich werde Dich loslasssen, wenn die Zeit kommt,

      und ich bin mit all meinem Respekt und mit meiner Liebe bei dir und Deinem Weg

                                                  ...........  bis ans Ufer.

                                                                                                                 von Mu-unRa

 

 

 


Ein 92-jähriger Mann beschloss nach dem Tod seiner Frau ins Altenheim zu gehen. Die Wohnung schien ihm zu groß und er wollte für seine letzten Tage auch noch ein bisschen Gesellschaft haben, denn er war geistig noch in guter Verfassung.

Im Heim musste er lange in der Halle warten, ehe ein junger Mann zu ihm kam und mitteilte, dass sein Zimmer nun fertig sei. Er bedankte sich und lächelte seinem Begleiter zu, während er, auf einen Stock gestützt, langsam neben ihm herging.

Bevor sie den Aufzug betraten erhaschte der Alte einen Blick in eines der Zimmer und sagte:"Mir gefällt es sehr gut." Sein junger Begleiter war überrascht und meinte, er habe doch sein Zimmer noch garnicht gesehen.

Bedächtig antwortete der alte Mann." Wissen Sie, junger Mann, ob ich den Raum mag oder nicht, hängt nicht von der Lage der Einrichtung ab, sondern von meiner Einstellung , von der Art, wie ich ihn sehen will. Und ich habe mich entschieden, glücklich zu sein. Diese Entscheidung treffe ich jeden Morgen wenn ich aufwache, denn ich kann wählen. Ich kann im Bett liegen bleiben und damit hadern, dass mein Körper dies und jenes nicht mehr so reibungslos schafft - oder ich kann aufstehen und dankbar sein für alles, was ich noch kann. Jeder Tag ist ein Geschenk und solange ich meine Augen öffnen kann, will ich Gott danken für all die glücklichen Stunden, die ich erleben durfte und noch erleben darf.

Sie sind noch jung, nehmen Sie sich den Rat eines alten Mannes zu Herzen. Deponierern Sie alles Glück, alle Freude,alle schönen Erlebnisse als Erinnerungen auf einem Spezialkonto, um im Alter über einen Schatz zu verfügen, von dem Sie zehren können, wann immer Sie dessen bedürfen. Es liegt an Ihnen, wie hoch die Einlagen auf dem Konto sind. Ich verrate Ihnen noch zwei einfache Tricks, mit denen Sie Ihr Konto rasch wachsen lassen können.

Hegen Sie in ihrem Herzen nur Liebe und in ihren Gedanken nur Freude. In dem Bewusstsein, so ein Konto zu besitzen, verliert die Zukunft ihre Ungewissheit und der Tod seine Angst.

Der junge Mann hatte staunend zugehört und bedankte sich nun mit einem strahlenden Leuchten in seinen Augen. Freudig drückte er den Arm des Alten und meinte:" Vielen Dank, soeben habe ich ein Erinnerungskonto bei meiner Bank eröffnet und dieses Gespräch ist die erste Einlage.

Mit diesen Worten öffnete er die Tür, um dem neuen Bewohner sein Zimmer zu zeigen. Mit einem Schmunzeln sagte dieser:"Mir gefällt es sehr gut."

Die schönsten Menschen, die ich kennen gelernt habe,

sind die, die Niederlagen einstecken mussten,

die Leid, Schicksalsschläge und Verlust erfahren haben,

und die es dennoch schafften,

immer wieder ihren Weg aus der Tiefe heraus zu finden.

Ihre Erfahrungen gaben ihnen eine Wertschätzung,

eine Empfindsamkeit und ein Verständnis vom Leben,

die sie in Mitgefühl, Sanftheit und in tiefer Liebe auf andere

Menschen zugehen lassen.

Ein schöner Mensch wird nicht geboren.

Ein schöner Mensch wird schön durch die Kraft,

sich über seine Tiefschläge zu erheben und daran zu reifen.

 

Ambulante hospizarbeit: Menschen in schwersten Stunden zur Seite stehen

Menschen in den schwersten Stunden zur Seite stehen ist ein kostbares Gut, denn im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben ihren Wert geben.

Dieses außergewöhnliche Jahr 2020 war und ist für uns alle eine Herausforderung.

Die Corona-Pandemie hat unsere Gesellschaft verändert, fast alle Bereiche des Lebens sind durch entsprechende Maßnahmen und Einschränkungen betroffen- so auch das Ehrenamt im ambulanten Hospizdienst. An unterschidlichen Stellen sind und waren wir betroffen. Menschen, die in diesem Jahr krank waren und verstorben sind mussten oftmals auf die gewohnte Begleitung verzichten. An-und Zugehörige konnten sich nicht oder nur unvollständig verabschieden.

Menschen in Heimen sind einsam gewesen da sie zeitweise keinen Besuch bekommen durften.

Das Pflegepersonal ist an seine Grenzen gekommen, Urlaube aus denen wir Kraft schöpfen, mussten ausfallen.

Aber auch neue Erkenntnisse konnten wachsen. Die Reduzierung von der Fülle auf das Wesentliche hat Kreativität hervorgebracht - auch bei uns.

So haben wir in diesem Jahr mal wieder bewusst Briefe geschrieben, kleine Aufmerksamkeiten verteilt und den Kontakt durch gute Gespräche  am Telefon gehalten.

Durch den Blick auf den Nächsten wuchs aber auch grosse Hilfsbereitschaft und Solidarität untereinander.

Vielleicht sollten wir uns auch zukünftig mehr auf das Wesentliche , auf dass, was wirklich wichtig ist, nämlich auf den Menschen der mir gegenüber ist, konzentrieren.

Wir freuen uns, dass wir weiterhin in die Pflegeheime gehen dürfen um dort Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten. Wenn gewünscht, gehen unsere Ehrenamtlichen auch in die Häuslichkeit. Für die ambulante Sterbebegleitung gilt, dass die von uns begleiteten Menschen besondere Achtsamkeit und Zuwendung erfahren.

Wir lassen natürlcih die nötige Vorsicht walten und halten uns an die hygienischen Vorgaben.

Am Ende des Jahres schauen wir einerseits auf ungewohnte Einschränkungen und nie da gewesene Hindernisse zurück und andererseits ist unser Blick voller Hoffnung und Zuversicht auf das Jahr 2021 gerichtet.

Wir danken allen, natürlch besonders unseren Ehrenamtlichen, die trotz Corona-Pandemie voller Engagement ihre Zeit zur Verfügung stellen.

Zudem danken wir allen unserern Unterstützern von Herzen und hoffen auch im nächsten Jahr einiges gemeinsam bewegen zu können und wünschen besinnliche und gesunde Feiertage.


Hoffnungsfenster im Advent

In der"dunklen Zeit" entfalten Lichter ihre Wirkung ganz besonders.

Wir wollen uns daran erinnern, dass wir durch den Advent auf Weihnachten zugehen- von der Dunkelheit ins Licht. Oft verfallen wir Menschen im Dezember in Hektik, unsere Gedanken kreisen um die besten Geschenke und den schönsten Weihnachtsbaum.

Wenn wir es zulassen, ist der Advent eine gemütliche Zeit, eine Zeit der Besinnung.

Weil der lebendige Adventskranz in diesem Jahr wegen der Coronapandemie nicht stattfindet, haben wir  ein Hoffnungsfenster gestaltet. Juliane Worbs von der evangelischen und Claudia Rohlke von der katholischen Kirche haben dazu aufgerufen. Unser Fenster ist zwar von der Strassenseite nicht zu sehen, aber die Gäste, Besucher und Mitarbeiter vom Hospiz Zugvogel können sich vielleicht daran erfreuen. Es hat uns viel Freude gemacht und wir selber erfreuen uns jeden Tag an dem Licht.


Corona im Herbst

Leider müssen wir zum zweiten Mal in diesem Jahr den größtenteil unserer Veranstaltungen verschieben oder absagen.

Aufgrund des aktuellen Shutdowns und der Corona- Hygieneverordnung können unsere Treffen weiterhin nicht stattfinden.

Für die ambulante Sterbebegeitung gilt auch, dass die von uns begleiteten Menschen besondere Achtsamkeit und Zuwendung benötigen.

Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir aber in dieser Zeit die Mögllichkeit haben, im Pflegeheim sterbende Menschen begleiten zu dürfen.

Gleichzeitig lasssen wir natürlich die nötige Vorsicht walten und halten uns an die wichtigen Vorgaben wie den Mund-Nasenschutz und die Händedesinfektion . Wir versuchen uns an die Abstandsregeln zu halten und achten auf regelmässiges Lüften.

Lassen Sie uns positiv in die Zukunft schauen.


Die 4 Kerzen

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen. Die erste Kerze seufzte und sagte:" Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden." Das  Licht wurde kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte: " Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr dass ich brenne." Ein Luftzug wehte durch den Raum und die zweite Kerze war aus.

Leise und traurig meldete sich die dritte Kerze zu Wort.

"Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderern, die sie lieb haben sollen." Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: " Aber, aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus ssein!!"

Und fast fing es an zu weinen.

Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte:"Hab keine Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderern Kerzen wieder anzünden.Ich heiße Hoffnung".

Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.

 

 


Spendenübergabe bei Familie Brandt in Scholen

Mitte September wurden Elke und ich zum Frühstück von Silke Hötker und Anke Sudmann- Brandt nach Scholen eingeladen.

Grund für diese Einladung war eine Spendenübergabe als Dankeschön für die Begleitung ihres verstorbenen Vaters und Schwiegervaters .

Neben dem leckeren Frühstück hatten wir einiges zu erzählen, denn sowohl Anke als auch Silke waren sich einig,dass die Begleitung durch unseren Ehrenamtlichen Florian Krauss für alle eine grosse Bereicherung war.

Florian und ihr Vater / Schwiegervater hatten noch eine gute Zeit miteinander.


Vorstellung der neuen Koordinatorin Brigitte Book

Ja, es ist soweit. Wie in unserem Jahresbericht 2019 schon angekündigt, war es geplant, dass ich ab September 2020 unsere  Koordinatorin Elke Borghorst mit 19,5 Wochenstunden unterstützen werde.

An meinem ersten Arbeitstag haben mich unsere ehemalige, langjährige Leitung und Koordinatorin Patricia von Bodecker und Elke Borghorst mit einem Überraschungsfrühstück begrüßt. Auch die Mitarbeiterinnen des Pallliativstützpunktes  , auf dessen Flur unser Büro liegt, haben mich herzlich mit einem Blumenstrauß willkommen geheißen. Darüber habe ich mich sehr gefreut und sage Danke.

Nun zu meiner Person:  Ich bin fünfzig jahre alt, verheiratet und habe 3 Kinder im jungen Erwachsenenalter. Nach meiner Tätigkeit als Sparkassenfachwirtin und anschließender Zeit als Hausfrau und Mutter habe ich nach Studium in Vechta den Bachelor der sozialen Arbeit erworben.Zudem blicke ich auf eine sehr bereichernde mehrjährige Berufstätigkeit in einem Wohnheim für Jugendliche zurück.

Da ich zu meinem Alltag etwas für mich sinnvolles beitragen wollte, bin ich seit 2012 als ehrenamtliche Begleiterin beim ambulanten Hospizdienst aktiv geworden. Neben einzelnen Begleitungen habe ich mich zur Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit mit unserem Ehrenamtlichen Dieter Stamme für den "Letzte Hilfe" Kurs ausbilden lassen. Einige Vortragsveranstaltungen konnten wir schon ausführen oder sie wurden mit Dieter und unserer Ehrenamtlichen Sabine Rasper gemeinsam gehalten. Die zur Besetzung meiner Stelle als Koordinatorin benötigten Fortbildungen , wie den Palliativ Care Kurs sowie das Leitungs- und das Koordinatorenseminar konnte ich glücklicherweise noch rechtzeitig in 2019 vorm Lockdown abschließen.

Nun freue ich mich zusammen mit Elke die Koordination und alle damit verbundenen Tätigkeiten von unserem Dienst zu übernehmen und bedanke mich auch bei unseren Ehrenamtlichen, die mich freudig und mit den besten Wünschen empfangen haben.

 


Herzlich willkommen und grosses " Danke schön"

Mit einem feierlichen Gottesdienst am 25.Juli in der Christuskirche in Syke fand der diesjährige Kurs zur Qualifizierung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter seinen Abschluss. Die Ehrenamtlichen sind in einem 100-stündigen Kurs auf die Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen sowie der Unterstützung ihrer Zugehörigen vorbereitet worden. Sie schenken ihre Zeit und helfen es ihnen zu ermöglichen, ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben bis zuletzt zu führen.

Ein Abschied, der für Kranke, Sterbende und deren Umfeld als wertvoller und trostreicher Teil des Lebens gelingt, das sind die Anliegen der Hospizdienste.

Die Ehrenamtlichen haben sich intensiv mit den Themen Sterben, Tod und Trauer befasst. Sie haben erfahren, wie Beziehungen zu Menschen aufgebaut werden können die sich an der Schwelle des Lebens befinden, wie Angehörigen Trost gespendet werden kann.

Vie Frauen verstärken nun unseren Kreis der Ehrenamtlichen.

Katja Hedel und Valentin Wieczorek haben diesen Gottesdienst zusammen mit den Multiplikatoren Heide Wolter, Patricia von Bodecker, Diete Stamme und Ulla Klare-Gockeln vorbereitet und gestaltet.

Ulla spielte auf der Gitarre und hat gesungen, vielen Dank dafür. ( Singen für alle ist im GD leider noch icht wieder erlaubt). Amazing grace war das erste Liedstück, nur der Begleithund von Tanja hat mit eingestimmt

Die Begrüssung erfolgte durch Katja. Sie gratulierte allen und las aus dem Psalm 112 vor.

Wir bitten dich Gott, für alle Menschen, die in der Hospizarbeit tätig sind und für alle, die andere Menschen im Blick haben und nicht nur auf sich selber schauen.  -   Lass ihr Tun ein Spiegelbild des Himmels sein. Gib uns durch dein Wort und deinen Segen Kraft und Zuversicht, in deinem Namen Gutes zu wirken.

Danach folgte als biblische Lesung die Emmaus- Geschichte.

Jesus bgleitet die Jünger( unerkannt)  ,die traurig über den Tod ihres Herrn sind ein stück auf ihrem Weg. Er stellt ihnen seine Zeit zur Verfügung . Er gibt ihnen Raum, ihrer Trauer und ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Er begleitet sie ein stückweit auf ihrem Weg der Traurigkeit. Eine ganze Weile lässt er sie einfach erzählen. Lässt alles loswerden was sie bedrückt.

     - Jesus hört nur zu, ist einfach da.

Wenn Hospizbegleiter* in die Häuser zu Sterbenden gehen, machen sie nichts anderes. Sie Stellen ihre Zeit und ihre Person zur Verfügung, damit der andere in der Lage ist, ein kleines Stück weiter gehen zu können, auf der letzten Wegstrecke seines Lebens.

     - "Ich bin für dich da" - was immer du jetzt brauchst

Und das kann ganz verschieden sein.

Einer mag nur darauf gewartet haben, endlich mit jemandem über seine Ängste, seine Wut, seine Verzweiflung reden zu könne. Der Familie mag er es nicht zumuten. Die traurigen Blicke erträgt er nicht. In ihrer Nähe möchte er stark sein, obwohl kaum noch Kraft da ist. Wenn der Hospizbegleiter kommt, dann kann er schwach werden.

     - " Ich bin für  dich da"

Ein anderer wartet auf etwas Ablenkung. Tag und Nacht drehen sich seine Gedanken im Kreis. Wenn der Hosppizbegleiter kommt, kann er endlich mal über was anderes reden.

     - " Ich bin für dich da"

Und wieder eine andere möchte nicht alleine sein. Es fehlt die Kraft. Schweigen möchte sie, ab und zu mal etwas  weinen. Nur eben nicht alleine sein.

     - " Ich bin fürdich da"

 

Diese Begegnungen mit Sterbenden können unglaublich dicht werden, gerade wenn es sich um längere Begleitulngen handelt.

 

    NÄHER ALS IM STERBEN KOMMT MAN EINEM ANDEREN MENSCHEN NICHT

Je mehr man sich selber gewahr ist,was einen trägt im Leben, umso besser kann man diesen Satz  -" Ich bin für dich da" - zu anderen sagen.

 

Am Ende des Gottesdienstes wurden alle gesegnet.

               - GOTT SOLL EUCH SEGNEN UND IHR SOLLT EIN SEGEN SEIN-

Für die "Neuen" gab es kleine Geschenke, Blumen und die Urkunde.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Katja und Valentin für die Gestaltung des Gottesdienstes, ebenso bei Ulla für die schönen Lileder.


wie hat sich das leben seit anfang märz 2020 für uns verändert?

Wir haben wohl nicht damit gerechnet, dass die Pandemie unser persönliches und gesellschaftliches Leben so einschränkend beeinflusst - weltweit. Aufgrund der aktuellen Gefährdungssituation durch das Corona- Virus können wir Anfragen für eine ambulante Hospizbegleitung momentan nicht zuverlässig vermitteln. Wir versuchen jedoch unser Möglichstes und nehmen nach wie vor alle Anfragen entgegen, wir stehen für Gespräche am Telefon jederzeit zur Verfügung. Wir bieten Hilfe für Menschen die mit Sterben, Tod und Trauer konfrontiert sind. Wegen Corona ist der persönliche Kontakt zu unseren Begleitungen, die in den Pflegeheimen leben, komplett abgebrochen - das ist auch für uns schwer auszuhalten.

Wir können den Kontakt nur telefonisch aufrecht erhalten (wenn möglich) , die Besuche fallen weg. Anfragen zu akuten Sterbebegleitungen versuchen wir nachzukommen, selbstverständlich unter Einhaltung aller hygienischen Maßnahmen.

 

Melden Sie sich gerne bei uns.


AMBULANTE KINDERBEGLEITUNGEN

Die meisten Familien, in denen ein Kind, Jugendlicher oder junger Erwachsener lebensverkürzt erkrankt ist, wünschen sich, dass ihr Kind zu Hause bleiben kann. In dieser belastenden Zeit braucht es Menschen, die offen sind, zuhören, mitgehen und aushalten. Unsere qualifizierten ehrenamtlichen Kinderbegleiterinnen gehen in die Familien. Sie sind für das erkrankte Kind, die Geschwister und die Eltern da. Sie schenken den Familien Zeit und unterstützen sie. Die Coronakrise hat es notwendig gemacht, dass sich unsere Ehrenamtlichen aus der persönlichen Begleitung zurückziehen mussten, auch Angebote für Geschwisterkinder können nicht stattfinden. Das ist für die Familien genauso schwer wie für unsere Ehrenamtlichen. Leider ist es uns zur Zeit auch nicht möglich, neue Begleitungen anzunehmen, da wir nicht in die Familien können. Wir alle können Überträger des Coronaviruns sein, auch wenn wir keine Symptome haben. Grundsätzlich besteht für die Kinder / Jugendlichen die wir begleiten ein höheres Risiko zu erkranken, da ihr Immunsystem aufgrund der zugrundeliegenden Erkrankung geschwächt ist. Wir stehen aber in ständigem Kontakt mit dem ambulanten Kinderhospizdienst Löwenherz, der uns die Begleitungen vermittelt hat. Kontaktieren Sie uns trotzdem gerne


WENN ETWAS NICHT MEHR MÖGLICH IST, VERÄNDERE ES, dass es anders möglich ist.

Das Virus macht auch an unserer Tür nicht halt.

 

Unsere Angebote wie das Trauercafe und der Trauertreff für Männer sowie unsere Ehrenamtsabende mussten wir alle schweren Herzens absagen. Wir sind alle in dieser noch nie dagewesenen Situation auf uns zurückgestellt. Umso mehr trifft es Menschen, die z.B. mit einer schweren Erkrankung leben oder in einer Trauersituation sind. Dies bringt uns alle in Grenzsituationen. Wir wissen nicht, wie lange diese Einschränkungen noch gelten. Doch wir wissen, dass wir weiterhin für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen, da sein werden, vielleicht anders als bisher. Sprechen oder rufen Sie uns trotzdem gern an, wir sind offen für Ihre Sorgen, Befürchtungen und Nöte - zögern Sie nicht!


begleitung - UND DANN KAM COVID-19

Meine Begleitung bei Herrn X. begann Anfang Oktober 2019.

Unsere Koordinatorin hatte mich gefragt, ob ich Zeit hätte, einen jungen Mann von 49 Jahren im Pflegeheim zu begleiten. Er hatte Krebs im Endstadium, wurde bereits im Pflegeheim zusätzlich palliativ versorgt und er hatte sein „OK“ für eine hospizliche Begleitung gegeben.

Am nächsten Tag meldete ich mich bei Herrn X. an. Vor dem 1. Besuch ging mir vieles durch den Kopf, ein Mensch in dem Alter im Pflegeheim, und unter anderem - wie es ihm wohl geht und wie wir wohl mit einander klarkommen??

Dann war es soweit, ich stellte mich Herrn X. vor und fragte ihn, ob es ihm auch recht sei, von mir Besuch zu bekommen? Herr X. war sehr klar in den Dingen die er wollte, das machte es mir leicht. Er wollte gern 1 x die Woche von 11 – 12 Uhr Besuch bekommen. Nachmittags bekam er oft von seinen Schwestern oder Freunden Besuch. Sein Bruder kam jeden Abend nach der Arbeit, das war ihm sehr wichtig. Auch das seine Schwestern ihn regelmäßig besuchten und die Familie jetzt so gut zusammenhielt, war für ihn eine große Unterstützung. Er erzählte mir von seinem Krankheitsverlauf, die Krebsdiagnose hatte er damals im März 2018 bekommen. Daraufhin wurde er in einer Fachklinik behandelt und anfangs lief auch alles gut. Dann gabs einen Rückfall und es ging ihm zunehmend schlechter. Da ihm das Laufen immer schwerer fiel, war er auch mehr und mehr auf Hilfe angewiesen. Im Juli 2019 entschied er sich ins Pflegeheim zu gehen, er konnte keine Treppen mehr steigen, und in der Landwirtschaft, konnte er auch schon länger nicht mehr arbeiten.

Bei meinem 1. Besuch sagte Herr X., wir sollten uns man duzen, er würde alle Menschen duzen und fände das am unkompliziertesten. Ende Oktober hatte er seinen 50.Geburtstag und nicht damit gerechnet, dass er den noch erlebt – X. war fast verwundert, dass er es bis dahin geschafft hatte. Dann kam Weihnachten, Silvester und Neujahr, der runde Geburtstag von seiner Mutter.

Mit Hilfe in den Rollstuhl und mal eine kleine Runde spazieren fahren, traute er sich nicht mehr zu. Die kleinste Anstrengung, der geringste Stress, verursachte schon Luftnot bei ihm. Lesen strengte an, die Augen waren zu trocken, selbst das Essen fiel ihm schwer, vor allem wenn es zu trocken, oder krümelig war. Das bewunderte ich an ihm, trotz der Beschwerden und seiner Situation, war er sehr bescheiden und direkt zufrieden, er fühlte sich gut versorgt und „meckerte“ nicht rum. Wenn es ihm schlecht ging, sagte er es. Ab und an bekam er auch mal nachts Besuch, erzählte er mir mit einem Augenzwinkern. Die demente Dame von nebenan, ging durch sein Zimmer und setzte sich auch mal in seinen Sessel. Aber selbst das regte ihn nicht sonderlich auf. Die Luftnot und andere körperliche Beschwerden piesackten ihn immer mehr und er bekam palliativ eine Schmerzpumpe zur Entlastung. Die half ihm sehr, aber er fühlte sich auch matter und schlief viel. Ende Februar, Anfang März 2020 rückte die Corona Pandemie immer näher und Mitte März war es dann soweit: ich wollte es erst nicht wahrhaben, alle Pflegeheime wurden für Besucher, Angehörige und Begleiter geschlossen! Die Gefahr, den COVID – 19 Virus zu den Menschen ins Pflegeheim einzuschleppen, war einfach zu groß und lebensbedrohlich. Das war ein Schlag, wir verabschiedeten uns am Telefon und wussten, das ist das letzte Mal, dass wir mit einander sprechen. Da X. immer schwächer wurde, sah ich von weiteren Telefonaten ab.

Ende März hatte er es geschafft. Es war eine Beruhigung für mich zu wissen, dass die engsten Angehörigen, vor allem sein Bruder, unter strengsten Schutzmaßnahmen noch zu ihm durften.


Trotz Corona für sterbende da

Die Hospizdienste im Landkreis Diepholz begleiten und unterstützen schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige auch jetzt. Auch nach den aktuellen Lockerungen gelten auf Grund der Corona- Pandemie noch immer stark einschränkende Kontakt- und Besuchsregeln. Das trifft auch die Hospizdienste.

 Silke Meier-_Sudmann , Koordinatorin des Malteser Hospizdienstes Twistringen : " Dennoch sind wir für schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen da. In den letzten Wochen war das nicht immer im direkten Kontakt möglich und wir haben auf E-Mails, Video - Telefonie und die gute alte Postkarte zurückgegriffen."

Ganz grundsätzlich sind seit Ausbruch der Corona- Pandemie die Anfragen nach hospizlicher Begleitung und Unterstützung aber sehr zurückgegangen. "Das bereitet uns Sorge", so Silke Meier - Sudmann.

" Denn schwerstkranken und sterbenden Menschen die letzte Zeit ihres Lebens ihren Vorstellungen entsprechend zu gestalten ,dafür sind wir von den Hospizdiensten im Landkreis Diepholz seit vielen Jahren ( manche bereits seit 25 Jahren) da."

Die aktuelle Situation stehe im Gegensatz zur Grundüberzeugung der Hospizbewegung, nämlich dass niemand alleine sterben muss, sondern begleitet von Mitmenschen.

 " Und auch unsere Ehrenamtlichen wünschen sich, die Betroffenen wieder direkt begleiten zu können, sei es im eigenen Zuhause, aber auch im Krankenhaus und im Pflegeheim", so Elke Borghorst (Hospizdienst Sulingen).

Voraussetzung hierfür ist, dass im Pflegeheim und im Krankenhaus die für eine Lockerung der Kontaktbeschränkung notwendigen und damit einer Vereinsamung und Isolation der Betroffenen vorbeugenden Hygienekonzepte vorgelegt und umgesetzt werden.

 

Wir von den Hospizdiensten im Landkreis Diepholz treffen uns zweimal jährlich zum Regionaltreffen um über aktuelle Themen in der Hospizarbeit zu sprechen. Wir sind in engem Kontakt um ein gutes vernetztes Arbeiten und Denken zu verbessern und zu festigen.

 

Wir gestalten gemeinsam Hospizbegleiter -Oualifizierungskurse  und es gibt viele verschiedene Angebote im Bereich der Trauerarbeit 

( Trauercafe, Trauergruppen, Einzelbegleitung). Mit dieser Arbeit möchten wir, sobald es weitere Lockerungen gibt oder die Corona_Krise bewältigt ist, fortfahren.

Vieles ist aber nur möglich durch die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung, denn für unsere Arbeit sind wir auf Spenden angewiesen.

Wenn Sie uns unterstützen möchten, Unterstützung benötigen oder Fragen zu unserem Dienst haben, dann melden Sie sich beim Hospizdienst bei Ihnen vor Ort. 

Wir sind gerne für Sie da.

Hospizdienst Sulingen: 04271 9554500

 

Gleichzeitig möchte ich mich bei allen Unterstützern und Ehrenamtlichen bedanken, die mit uns gemeinsam in diesen schwierigen Zeiten neue Wege gehen.


Deklaration der Menschenrechte Sterbender

- Ich habe das Recht, bis zu meinem Tode wie ein lebendiges menschliches Wesen behandelt zu werden

- Ich habe das Recht, stets noch hoffen zu " dürfen"- worauf immer sich diese Hoffnung auch richten mag

- Ich habe das Recht darauf, von Menschen umsorgt zu werden, die sich eine hoffnungsvolle Einstellung zu bewahren vermögen-

  worauf immer sich diese Hoffnung auch richten mag

 

- Ich habe das Recht, Gefühle und Emotionen anläßlich meines nahenden Todes auf die mir eigene Art und Weise auszudrücken

- Ich habe das Recht  ,kontinuierlich medizinisch und pflegerisch  versorgt zu werden, auch wenn das Ziel Heilung gegen das Ziel

  Wohlbefinden ausgetauscht werden muss

- Ich habe das Recht, nicht alleine zu sterben

- Ich habe das Recht schmerzfrei zu sterben

- Ich habe das Recht meine Fragen ehrlich beantwortet zu bekommen

- Ich habe das Recht, nicht getäuscht zu werden

- Ich habe das Recht, von meiner Familie und für meine Familie Hilfen zu bekommen, damit ich meinen Tod annehmen kann

- Ich habe das Recht, in Frieden und Würde zu sterben

- Ich habe das Recht, meine Individualität zu bewahren und meiner Entscheidungen wegen auch dann nicht verurteilt zu werden, wenn

  diese in Widerspruch zu den Einstellungen anderer stehen

- Ich habe das Recht, offen und ausführlich über meine religiösen oder spirituellen Erfahrungen zu sprechen, unabhängig davon,

  was dies für andere bedeutet

- Ich habe das Recht zu erwarten, daß die Unverletztlichkeit des menschlichen Körpers nach dem Tode respektiert wird.

- Ich habe das Recht, von fürsorglichen, empfindsamen und klugen Menschen umsorgt zu werden, die sich bemühen, meine

  Bedürfnisse zu verstehen und die fähig sind, , daß sie mir helfen meinem Tode entgegenzusehen.